Schenkung bislang unbekannter Werke von Felka Platek an das Felix-Nussbaum-Haus

Welche Geheimnisse verbergen sich hinter neuen Informationen zu den letzten Lebensjahren von Felka Platek und Felix Nussbaum im Versteck in Brüssel – und muss die bisherige Geschichte neu geschrieben werden? An welchen Orten versteckten sich Felix Nussbaum und Felka Platek und wer half dem Künstlerpaar vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten?

Bislang unbekannte Porträts Felka Plateks von Unterstützenden des Künstlerpaares in Brüssel erfordern nach jetzigem Kenntnisstand ein Umschreiben der Geschichte von Felix Nussbaum und Felka Platek in ihrem letzten Lebensjahr in Brüssel, bevor sie in der Nacht am 21. Juni 1944 in ihrem Versteck in der Rue Archimède verhaftet und später in Auschwitz ermordet wurden. 

Maryvonne Collot, eine Nachfahrin der Familie Giboux-Collot aus Brüssel, überreicht dem Felix-Nussbaum-Haus drei Porträts ihrer Verwandten aus der Hand von Felka Platek als SchenkungZudem gibt sie Hinweise zur Korrektur der bislang gültigen Annahme über den Aufenthaltsort des Künstlerpaares im Versteck und über die Geschichte der 1943/44 geschaffenen Hauptwerke Felix Nussbaums, darunter das Selbstbildnis mit Judenpass (um 1943) und der Triumph des Todes (1944).

Bislang wurde angenommen, dass das Künstlerpaar ab März 1943 in der Rue Archimède 22 in Brüssel im Versteck lebte, während Felix Nussbaum seine berühmten Hauptwerke in einem Kellerversteck in der Rue Général Gratry 23 malte. Nach Informationen von Maryvonne Collot nutzte Felix Nussbaum das Haus in der Rue Général Gratry nicht nur zum Malen. Maryvonne Collot zufolge bot die Familie Giboux-Collot, die dort wohnte, dem Künstlerpaar die Souterrainetage des Hauses als Versteck und entwickelte in dieser Zeit ein freundschaftliches Verhältnis zu Nussbaum und Platek.

Von dieser freundschaftlichen Verbundenheit zeugen die Porträts der Augustine Collot und ihren beiden Kindern Albert und Yvonne Giboux, die Platek im Jahr 1943 geschaffen hat. Dank der großzügigen Schenkung von Maryvonne Collot und Alain Van Zieleghem werden die Porträts zum Anlass weiterführender Forschung über das Leben des Künstlerpaares im Versteck.

Demnach muss auch die Geschichte der 1943 und 1944 geschaffenen Werke von Nussbaum und Platek neu aufgerollt werden. Maryvonne Collot legt Fotos und Dokumente vor, die neue Informationen über die Umstände der Entstehung der Bilder liefern. Demnach schuf das Künstlerpaar die Werke in einer Zeit, in der sie bei den Giboux´ im Versteck untergetaucht war. Die Familie lebte mit den Bildern in ihrem Haus auch nach der Verhaftung und Ermordung Nussbaums und Plateks 1944 in Auschwitz. Dies belegen Familienfotos der 1960er Jahre, auf denen Gemälde wie Die Verdammten von 1934/44 oder die Gliederpuppen aus dem Jahr 1943, aber auch bislang unbekannte Werke zu sehen sind. 

Die bisherige Geschichtsschreibung folgt den Berichten des Brüsseler Kunsthändlers Willy Billestraet, der einen Großteil der Werke in den 1970er-Jahren dem Osnabrücker Museum zum Kauf angeboten hatte. Billestraet war mit Yvonne Giboux, der Tochter von Augustine Collot und Schwester von Albert Giboux, liiert. Billestraet erwähnte die Familie Giboux gegenüber dem Osnabrücker Museum und den Biografen Felix Nussbaums jedoch nicht. Ihre Rolle als Unterstützende des Künstlerpaares wird erst jetzt mit den Werken Plateks und den neuen Informationen von Maryvonne Collot bekannt. Mit den Porträts und der Geschichte der Familie Giboux bekommen die mutigen Persönlichkeiten dieser Zeit ein Gesicht. Die neugewonnenen Erkenntnisse legen einen wertvollen Grundstein für weiterführende Forschungen.