Archivmeldung

Ibrahim Mahama, „TRANSFER(S)“

Installation im öffentlichen Raum in Osnabrück

Anlässlich des städtischen Jubiläums 375 Jahre Westfälischer Frieden widmet sich der international renommierte Künstler Ibrahim Mahama in seiner zusammen mit der Kunsthalle Osnabrück initiierten Neuproduktion der Leinengeschichte der Stadt Osnabrück. Noch bis zum 1. Oktober verhüllt der ghanaische Künstler das ehemalige Galeria-Kaufhof-Gebäude in der Osnabrücker Innenstadt monumental mit handgewebten Baumwollstoffen und recycelten Jutesäcken.

Das Forschungs- und Ausstellungsprojekt untersucht eine Vielzahl historischer und zeitgenössischer Transferkreisläufe zwischen Mitteleuropa und Westafrika. Thematisch knüpft es an die historische Bedeutung Osnabrücks als eine der wichtigsten Textilproduktionsregionen Westfalens an, unter anderem für Leinengewebe, das unter dem Namen „true born Osnabrughs“ bekannt wurde und bis ins vierzehnte Jahrhundert zurückreicht. Dieses Leinen wurde auch als Tauschmittel für Gefangene aus den Küstenregionen Afrikas und zur Herstellung von Kleidung für die auf den Plantagen der Westindischen Inseln arbeitenden Zwangsarbeitenden verwendet.

Für diese Auseinandersetzungen ist das ehemalige Galeria-Kaufhof-Gebäude mit seiner ebenfalls vielfältigen Geschichte und zukünftigen Neuausrichtung ideal. Schon 1955 war dort auf dem Gelände des im Krieg zerstörten Hotels Germania (bekannt aus E. M. Remarques Roman „Der schwarze Obelisk“) das Kaufhaus Merkur eröffnet worden. Lokale Stadtgeschichte, Kriegs- und Nachkriegserfahrungen werden somit durch Mahamas Intervention in den Kontext globaler Handels- und Machtverhältnisse gestellt. Das Gebäude wird derzeit vom Hamburger Projektentwickler Home United umgebaut und beherbergt ab 2024 neben dem Cross Community Space „Osnabrücker Ding“ unter anderem auch die Fachbereiche „Kunst/Kunstpädagogik” und „Textiles Gestalten” der Universität Osnabrück.

„TRANSFER(S)“ beinhaltet neben der Installation Mahamas in Osnabrück auch ein begleitendes Diskurs-Programm im Savannah Centre for Contemporary Art (SCCA) in Tamale (Ghana) im kommenden Herbst. Wolfgang Beckermann, Erster Stadtrat der Stadt Osnabrück und Vorstand für Bildung, Kultur und Familie, fasst die besondere Relevanz des Jubiläums-Projekts für die Friedensstadt Osnabrück zusammen: „Ibrahim Mahamas Gebäudeverhüllung ist ein besonderer Anlass für alle Besuchenden, die Geschichte der Stadt Osnabrück zu reflektieren und künftige Handelsverbindungen neu zu denken. Gerade im öffentlichen Stadtraum, wo besonders viele Menschen die Installation passieren, regt diese nicht nur zu Diskussionen an, sondern setzt aktiv ein Zeichen für globalen Frieden.“

Das SCCA Tamale ist eine von drei Institutionen, die Mahama in seiner Heimatstadt gegründet hat. Im Herbst dieses Jahres wird das SCCA Tamale als diskursiver Knotenpunkt dienen, an dem die historisch-politischen Stränge der Forschungsprämissen in einer Reihe von Gesprächen, Seminaren, Ausstellungen, Performances und Präsentationen entschlüsselt werden. Die mehrtägigen Veranstaltungen sind darauf ausgerichtet, im Austausch mit Akademiker:innen, Kurator:innen, Historiker:innen, Musiker:innen und Künstler:innen weitere Perspektiven zu schaffen. Kuratiert wird das Projekt von Kwasi Ohene-Ayeh (Kumasi, Ghana) und Bettina Klein (Berlin, Deutschland).

Gefördert im Fonds TURN2 der Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Mit Unterstützung durch Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025. Das Projekt wird zudem unterstützt von Koch International Heinrich Koch Internationale Spedition GmbH & Co. KG sowie von Home United als Entwickler des „Osnabrücker Ding“ im ehemaligen Galeria-Kaufhof- Gebäude.

In diesem Jahr ist Ibrahim Mahama künstlerischer Leiter der Ljubljana Bienniale of Graphic Arts. Seine Arbeiten waren in zahlreichen internationalen Ausstellungen wie der Sharjah Biennale 15 (2023), der 22. Biennale von Sydney (2020), der 56. und der 58. Biennale von Venedig (2015, 2019), der 6. Lubumbashi Biennale in der Demokratischen Republik Kongo (2019) sowie der documenta 14 (Kassel, Athen, 2017) zu sehen. In diversen, bedeutenden Einzelausstellungen wurden die Arbeiten Ibrahim Mahamas gezeigt, unter anderem Garden of Scars, oude kerk, Amsterdam (2022); In-Between the World and Dreams, University of Michigan Museum of Art (2020); Parliament of Ghosts, The Whitworth, University of Manchester (2019); a straight line through the carcass of history. 1918-1945. 2015-2018, daadgalerie Berlin (2018); Coal Market, Schloss Strünkede, Emschertal-Museum Herne (2018); Fracture, Tel Aviv Museum of Art, Israel (2016).

Archivmeldung: Diese Meldung wurde aus Recherchegründen archiviert. Bitte beachten Sie, dass in diesem Text aufgeführte Geschehnisse, Ankündigungen, Termine aber auch Tätigkeiten von hier genannten Personen möglicherweise keine Gültigkeit mehr haben. Wir schließen jede Haftung für Missverständnisse oder Fehlinterpretationen aus.

Galerie

  • Ibrahim Mahama - Transfer(s): Verhülltes ehemaliges Kaufhaus
    Ibrahim Mahama - Transfer(s): Verhülltes ehemaliges Kaufhaus
  • Ibrahim Mahama - Transfer(s): Verhülltes ehemaliges Kaufhaus
    Ibrahim Mahama - Transfer(s): Verhülltes ehemaliges Kaufhaus
  • Ibrahim Mahama - Transfer(s): Verhülltes ehemaliges Kaufhaus
    Ibrahim Mahama - Transfer(s): Verhülltes ehemaliges Kaufhaus
  • Ibrahim Mahama - Transfer(s): Verhülltes ehemaliges Kaufhaus
    Ibrahim Mahama - Transfer(s): Verhülltes ehemaliges Kaufhaus
  • Ibrahim Mahama - Transfer(s): Verhülltes ehemaliges Kaufhaus
    Ibrahim Mahama - Transfer(s): Verhülltes ehemaliges Kaufhaus