Der Westfälische Friede

Die Klinke an der Rathaustür des historischen Rathauses von Osnabrück, Foto: Janin Arntzen
Die Klinke an der Rathaustür des historischen Rathauses von Osnabrück, Foto: Janin Arntzen

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wütete in Mitteleuropa ein Krieg, der ein unvorstellbares Maß an Leid für die Völker brachte. Der Dreißigjährige Krieg begann 1618 als Religionskonflikt und weitete sich zum Konflikt um die Hegemonie im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und in Europa aus. Er brachte die Zerstörung ganzer Landstriche, Plünderungen, Hunger, Mord und Vertreibung mit sich. Nicht nur die Menschen sehnten sich nach Frieden. Auch bei den Kriegsparteien wuchs der Wille, diesen extrem verlustreichen und kostspieligen Krieg zu beenden.

Ein von 1643 bis 1648 andauernder Friedenskongress, der in den Städten Osnabrück und Münster in langwierigen, oft vom Scheitern bedrohten Verhandlungen geführt wurde, brachte schließlich den Frieden, der als Westfälischer Frieden in die Geschichte einging.

Als Westfälischer Frieden werden die drei zwischen dem 15. Mai und dem 24. Oktober 1648 in Osnabrück und Münster geschlossenen Friedensverträge bezeichnet, die den Dreißigjährigen Krieg in Deutschland und zugleich den Achtzigjährigen Unabhängigkeitskrieg der Niederlande beendeten.
Osnabrück war Verhandlungsort für die Schweden, die Gesandten des Kaisers und die protestantischen Reichsstände, während in Münster die Gesandten Frankreichs, des Kaisers und der katholischen Reichsstände aufeinander trafen. Sowohl das protestantische Schweden als auch das katholische Frankreich forderten einen Verhandlungsort, an dem es ihren Gesandten möglich war, ihren Glauben zu praktizieren. Die Nähe der beiden Städte gewährleistete zudem einen schnellen Informationsaustausch. Auch verfügten sie über eine intakte städtische Infrastruktur, um die aus allen Teilen des Reiches und den europäischen Nachbarländern anreisenden Delegationen zu beherbergen.

Frieden muss immer das Ziel aller Politik sein – dafür steht der Westfälische Frieden von 1648. Das Foto zeigt das Rathausdach und die Altstadt. Foto: Uwe Lewandowski
Frieden muss immer das Ziel aller Politik sein – dafür steht der Westfälische Frieden von 1648. Das Foto zeigt das Rathausdach und die Altstadt. Foto: Uwe Lewandowski

Zum Abschluss des Friedensvertrages zwischen den Schweden, den Reichsständen und dem Kaiser, dem Instrumentum Pacis Osnabrugensis (IPO), kam es am 6. August 1648 in der Residenz des schwedischen Verhandlungsführers Axelsson Oxenstierna. Mit dem sogenannten Osnabrücker Handschlag wurde hier der Frieden feierlich besiegelt.

Unterzeichnet wurde dieser Vertrag gemeinsam mit dem zwischen dem Kaiser und Frankreich geschlossenen Frieden von Münster, dem Instrumentum Pacis Monasteriensis, am 24. Oktober 1648 in Münster. Bereits am 15. Mai 1648 war in Münster der spanisch-niederländische Teilfriede geschlossen worden. Verkündet wurden der Friedensschluss und damit das Ende des Dreißigjährigen Krieges schließlich am 25. Oktober 1648 von der Osnabrücker Rathaustreppe. Ein Ereignis, an das heute jährlich mit zahlreichen Veranstaltungen erinnert wird.

Der in den Rathäusern von Osnabrück und Münster geschlossene Westfälische Frieden legte erste Grundlagen für eine europäische Staatengemeinschaft. Die Friedensverträge entwickelten sich mit ihren völkerrechtlichen Bestimmungen zu einer Säule internationaler Beziehungen, die noch heute von großer Bedeutung sind.

Erstmals konnten hier Konflikte auf dem Verhandlungsweg und durch die Bereitschaft zum Kompromiss beigelegt werden. Zudem wurde in Osnabrück eine besondere, deutschlandweit einmalige, Errungenschaft vereinbart: eine abwechselnde Amtsfolge von evangelischen und katholischen Fürstbischöfen, die bis 1803 Bestand hatte und ein friedliches Miteinander der Konfessionen regelte.

Mehr denn je versteht sich Osnabrück heute als Friedensstadt, die das historische Vermächtnis als Auftrag für ein friedenspolitisches und friedenskulturelles Engagement aktiv gestaltet. Dieses Engagement wird getragen von zahlreichen Institutionen, aber auch einer Vielzahl bürgerschaftlicher Initiativen und Vereine.

Das Gemälde „Verkündung des Westfälischen Friedens von der Rathaustreppe zu Osnabrück am 25. Oktober 1648“ (Nachdruck von 1973) von Gerhard Sperling nach einem Wandgemälde von Leo Gey von 1880. Foto: Stadt Osnabrück, Simon Vonstein
Das Gemälde „Verkündung des Westfälischen Friedens von der Rathaustreppe zu Osnabrück am 25. Oktober 1648“ (Nachdruck von 1973) von Gerhard Sperling nach einem Wandgemälde von Leo Gey von 1880. Foto: Stadt Osnabrück, Simon Vonstein