Kultur des Miteinanders

Zu einer gelebten Kultur des Miteinanders gehören viele Osnabrücker Festivals und Veranstaltungen, die Menschen zusammenbringen.

MeWe Internationales Kulturfestival Osnabrück

In Osnabrück leben Menschen aus aller Welt, die nicht nur ihr Wohnort miteinander verbindet, sondern vielfach auch der Stolz auf die eigene und die Neugier auf andere Kulturen. Das alle zwei Jahre stattfindende internationale Kulturfestival „MeWe“ steht für ein weltoffenes Osnabrück und für eine Kultur, die den Einzelnen sieht und das Miteinander pflegt. Und „MeWe“ steht für das Bewusstsein, in Osnabrück wie auch weltweit in einer vielfältig vernetzten und kulturell reichen Gemeinschaft zu leben.

So setzt sich das Festival Themen, die diese globalen Zusammenhänge aufzeigen und den kulturellen Reichtum deutlich machen.

Das zweieinhalbwöchige Programm berücksichtigt viele kulturelle Bereiche: ob Literatur oder Film, ob bildende Kunst, Musik, Theater oder Tanz. Auch gesellschaftspolitische Themen werden in dem Programm aufgegriffen. Die Mitwirkenden kommen aus den internationalen Kulturvereinen und Communitys der Stadt. Es werden aber auch internationale Künstlerlinnen und Künstler eingeladen.

2021 hatte das MeWe-Festival seinen Schwerpunkt in der portugiesischsprachigen Welt. Künstlerinnen und Künstler aus vier Kontinenten trafen aufeinander und begeisterten das Publikum. Dass die Verbreitung der Sprache ein Erbe der Kolonialzeit mit all ihren verheerenden Auswirkungen ist, wurde dabei ebenfalls deutlich aufgezeigt.

Logo MeWe Internationales Kulturfestival Osnabrück

Yılmaz-Akyürek-Preis

Es gibt Menschen, die in Osnabrück bekannt und beliebt sind: Zum Beispiel Malu Piepenbrink als Leiterin des Osnabrücker Mütterzentrums. Oder Alfa Traoré, der im Gesundheitswesen tätig ist und sich für die Präsentation afrikanischer Kultur einsetzt. Oder Reinhold Mokrosch. Er lehrte als Professor für evangelische Theologie an der Universität Osnabrück und gilt als Mitbegründer der Osnabrücker Friedensgespräche und des Runden Tisches der Religionen.

Was haben diese Menschen gemeinsam? Sie gehören zu dem Kreis der Personen, denen der Yılmaz-Akyürek-Preis verliehen wurde. Die Auszeichnung würdigt einmal im Jahr das Engagement von Menschen, die sich um Integration und die gegenseitige Anerkennung der Kulturen verdient gemacht haben. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert und trägt den Namen eines ganz besonderen Osnabrückers: Yılmaz-Akyürek kam 1965 als einer der ersten Einwanderer der Nachkriegszeit aus der Türkei nach Osnabrück. Gleich nach seiner Ankunft merkte man, dass sein besonderes Anliegen die Integration ist. Er wurde Vorsitzender des türkischen Elternrats, später engagierte er sich im Ausländerbeirat der Stadt, dem er mehr als 20 Jahre angehörte. Unermüdlich setzte er sich für das friedliche Zusammenleben aller Osnabrücker ein, bis zu seinem Tod im Jahr 2007. Aus diesem Grund beschloss die Stadt, ab 2009 den Yılmaz-Akyürek-Integrationspreis zu verleihen. Außerdem wird in unregelmäßigen Abständen ein Stadtteilfest zu Ehren des Osnabrücker Bürgers gefeiert.

Fest der Kulturen

Am dritten Sonntag im Monat September, an dem in Osnabrück einmal im Jahr das Fest der Kulturen gefeiert wird, herrscht auf dem Osnabrücker Marktplatz ein quirliges Treiben und die Veranstalter haben alle Hände voll zu tun. Ist die tamilische Volkstanztruppe vollzählig? Steht der Verstärker für die moderne türkische Musik zur Verfügung? Und dann will der Chor der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland gerne wissen, wo sie sich für ihren Auftritt einsingen können.

Wer in der Friedensstadt einmal am Fest der Kulturen teilgenommen hat, egal ob als Aktiver oder als Zuschauer, der weiß, wie begeistert Menschen gemeinsam ihre Kulturen feiern. Auf dem Platz vor dem Rathaus werden zahlreiche Infostände aufgebaut: von Gruppierungen und Vereinen der 154 verschiedenen Nationen, die in der Stadt vertreten sind. Kulinarische Leckereien können probiert werden und auf der Bühne wird ein umfangreiches Programm geboten. Vom frühen Nachmittag bis in den Abend zeigen dort Osnabrückerinnen und Osnabrücker aus vielen verschiedenen Herkunftsländern, mit Tanz und Musik Beispiele für das, was ihre Kultur ausmacht.

Das Miteinander der Kulturen wird in Osnabrück großgeschrieben. Und es gibt wohl kaum ein schöneres Bild, als wenn im Sonnenuntergang eine junge Frau in einer serbischen Tracht zu den Rhythmen einer südamerikanischen Liveband ausgelassen tanzt.

Internationalen Wochen gegen Rassismus

Osnabrück zeigt Rassismus die Rote Karte. Seit 2015 beteiligt sich die Stadt an den Internationalen Wochen gegen Rassismus. Ein breites Bündnis an Organisationen und Vereinen bietet jeweils im März ein umfangreiches Programm an, das ein gemeinsames Ziel verfolgt: ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung zu setzen. Begegnungen, Filmvorführungen, Ausstellungen, Vorträge, Seminare und Diskussionen dienen dazu, Vorurteile abzubauen und Solidarität mit Geflüchteten, Verfolgten und Menschen anderer Religionen oder Nationalitäten zu fördern.

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus gehen auf ein Massaker zurück, das am 21. März 1960 in der südafrikanischen Stadt Sharpeville stattfand. Die Polizei schoss auf friedliche Demonstranten, die gegen Apartheid-Gesetze der Regierung auf die Straße gegangen waren. 69 Tote und zahlreiche Verletzte, darunter auch Frauen und Kinder, waren das Resultat. Das Datum etablierte sich schon bald zum Südafrikanischen Tag für Menschenrechte.

Seit 2014 sorgt eine gemeinnützige Stiftung dafür, dass die Wochen gegen Rassismus auch in vielen deutschen Städten und Gemeinden organisiert werden. In Osnabrück koordiniert das Büro für Friedenskultur die Aktivitäten vor Ort.